Schwimmen

Die letzte Goldmedaille für die deutsche Deaflympics-Mannschaft holte Dr. Nele Alder-Baerens im Marathon, die bereits beim Kongress des Weltverbandes vor Beginn der Spiele für ihre Leistung im vergangenen Jahr als Weltsportlerin des Jahres ausgezeichnet worden war.

Der Sieg kam nicht überraschend. Die überragende Läuferin hatte in den vergangenen zwei Jahren mehrfach Weltrekorde im Gehörlosensport aufgestellt und war in der Disziplin die Favoritin.

Es gelang ihr zwar nicht, ihren eigenen Weltrekord einzustellen. Sie brach dafür den Deaflympics-Rekord und mehrere Rekorde über andere Langstreckendisziplinen.

Mit 2:51.19 lag sie mehr als 20min vor der Zweitplatzierten Ukrainerin Mariia Svynobii und weit vor dem Gros der Männer.

Größte Überraschung unter den Goldmedaillengewinnern war wohl die erst 17jährige Schützin Melanie Stabel. Sie gewann in der Luftgewehr Disziplin und wurde zweite im KK 3-Stellungskampf und im KK liegend.

Erst seit diesem Jahr im Kader war bei ihr schnell klar, dass sie ein großes Nachwuchstalent ist und sie qualifizierte sich ohne Schwierigkeiten gleich für die Teilnahme am größten Event im Gehörlosensport.

Den Erfolg muss sie noch ein bisschen sacken lassen.

Kurioseste Goldmedaille war die für die Herrenmannschaft im Bowling. Die Hoffnung auf Bowling-Gold war zwei Tage vor den Deaflympics von der Nachricht erschüttert worden, dass Weltmeister Simon Wildenhayn aus gesundheitlichen Gründen nicht mitfahren konnte.

Die daraus resultierende Verunsicherung seiner Mannschaftskameraden wirkte sich auf die Einzelwettkämpfe aus, die ohne Medaille blieben.

Einzig Trainer Ron Snyder hatte keinen Zweifel an der Kapazität des Teams und baute die Herren wieder auf. Silber im Doppel  für Andreas Schwarz und Sebastian Klotz war das Resultat.

Dass es in der Mannschaft noch Gold wurde gegen die unglaublich starke Konkurrenz aus Korea, die gleich zwei Herren-Fünfer im Mannschaftswettkampf hatten, kam trotzdem überraschend.

Mit diesem Sieg in der Sportart mit der höchsten Teilnehmerzahl bei den Deaflympics hat das deutsche Bowling-Team auch als Mannschaft endgültig überzeugt.

Deaflympicsgold gewann auch der Top-Golfer Allen John in dem neu in das Programm aufgenommenen Wettbewerb. Der Sieg kam nicht überraschend für den Weltmeister, der das Stroke Play klar dominierte und erst im Finale des Match Plays von Vizeweltmeister Paul Waring ernsthaft gefährdet wurde.

Er ließ sich den Sieg aber nicht abnehmen und gewann nach einer unentschiedenen vollen Runde  schließlich am 19. (ersten) Loch.

Der Erfolg von John hat Interesse im Gehörlosensport geweckt und wird helfen, die Sportart weiter zu etablieren.

Es gab natürlich nicht nur Goldmedaillen. Mit insgesamt fünfmal Silber und dreimal Bronze haben noch viele weitere Sportler Deutschland bei den Deaflympics in Samsun würdig vertreten. Das Tennis-Doppel Breitenberger/Tödter, der Schütze Colin Müller, die Siebenkämpferin Felicitas Merker und die Radsportlerin Isabelle Boberg trugen alle zum 13. Platz Deutschlands im Medaillenspiegel bei.

Aber die gute Leistung der deutschen Gesamtmannschaft ist nicht nur am Edelmetall zu messen. Finalteilnahmen, Halb- und Viertelfinals, Debüts und Abschiede einer Vielzahl von Athleten, die nicht im Medaillenspiegel erscheinen, sollten nicht gering geschätzt werden.

Das vierköpfige Schwimmteam behauptete sich gut in einem von zahllosen russischen Schwimmern dominierten Wettbewerb. Alle vier erreichten mehrfach Finals, zu einem Medaillengewinn reichte es in diesem Rekordgespickten Wettbewerb jedoch nicht.

Das Badminton-Doppel mit dem eingesprungenen Deaflympics Debütanten Jan Burike, schlug in den ersten Runden sogar Konkurrenz aus den stärksten Badminton-Nationen Korea, Indien und Litauen, ging aber in der Vielzahl der Teilnehmer aus diesen und anderen Ländern unter.

Ähnlich erging es der Tischtennismannschaft. Die Mischung aus jungen und älteren Athleten drang in einigen Disziplinen bis ins Viertelfinale vor, stieß dort aber an seine Grenzen.

Und die Kampfsportpioniere im Karate und Taekwondo, die ohne Erfahrung im Gehörlosensport direkt ins kalte Wasser gesprungen waren, brauchen noch Zeit, sich auf internationalem Niveau zu orientieren.

Etwas enttäuschend die Leistung der Beachvolleyballer, die hinter den Erwartungen zurück blieben. Aufgrund der im vergangenen Jahr abgesagten Weltmeisterschaftsteilnahme konnten sie keine Ranglistenpunkte sammeln, was sich in der Vorrunde bemerkbar machte.

Im Mannschaftssport wollte es dieses Mal auch nicht klappen. Die Fußballer scheiterten verletzungsgebeutelt im Viertelfinale an Ägypten, die Handballer im Halbfinale am türkischen Gastgeber. Beide Partien umstritten, aber von den Schiedsrichtern entschieden.

Im Gesamtmedaillenspielgel verbesserte sich Deutschland im Vergleich zu den Deaflympics 2013 um einen Platz und das mit weniger Teilnehmern und ohne zwei der großen Favoriten, Simon Wildenhayn im Bowling und Heike Albrecht im Tennis, die aus gesundheitlichen Gründen kurzfristig absagen mussten. Wir sind zufrieden.

Bericht: Katja Kluttig, Foto: Pit Schöler

Es hagelte Weltrekorde beim Schwimmen. Ausgesuchte Spitzensportler aus starken Nationen hatten sich ausgezeichnet vorbereitet.

Die deutschen Schwimmerinnen und Schwimmer waren ebenfalls gut vorbereitet, stellten neue persönliche Bestzeiten auf und brachen alte Rekorde. Der Anschluss an die Spitze war da, Finals wurden häufig erreicht, nur zur Medaille wollte es nicht reichen.

In der Mixed-Staffel über 4 x 100m Lagen startete mit Linda Neumann in der Rückendisziplin, gefolgt von Michael Würges, Brust, Robin Goldberg, Schmetterling und Annika Klappenecker als Schlussschwimmerin Freistil.

Mit einer Deutschlandrekordverdächtigen Zeit qualifizierten sie sich fürs Finale, wo sie sich erneut steigerten und ihr Letztes gaben. Es wurde Platz acht.

Linda Neumann gelang auch über die 400m Freistil der Einzug ins Finale, wo sie Achte wurde. Genauso erging es Michael Würges, der sich in der Vorrunde über 50m Brust mit einem Top-Start fürs Finale qualifizierte, dort aber keine Medaillenchance hatte und den achten Platz belegte.

Robin Goldberg erreichte das Finale über die 50m Schmetterling nicht und kam auf den Reserveplatz über die 100m. Leider gab es für ihn keine Finalteilnahme hier.

Linda Neumann schwamm noch die 400m Lagen, konnte sich aber nur in die Reserve schwimmen und kam im Finale nicht zum Einsatz.

Der letzte Wettkampftag für die Schwimmer brachte noch einmal eine viel versprechende Finalteilnahme für Neumann. Über 200m Rücken qualifizierte sie sich als zweite ihres Laufes mit einer sehr guten 2:31.19, die sie im Finale noch einmal unterbieten konnte mit 2:30.61.

Annika Klappenecker erreichte in ihrem letzten Wettkampf das Finale nicht mehr. Die 100m Freistil schwamm sie mit neuer persönlicher Bestzeit, für die Qualifikation genügte das leider nicht.

Über 200m Brust schaffte es Michael Würges in die Reserve der Qualifikation. Zur Finalteilnahme kam es dabei nicht mehr.

Das Gesamtergebnis für die deutschen Schwimmerinnen und Schwimmer nur an Medaillen zu messen, wird ihnen nicht gerecht. Ausgezeichnete Einzelleistungen in einem Wettkampf auf sehr hohem Niveau, über sich selbst hinauswachsen und die eigenen Grenzen verschieben, sind Ziele, die vielfach erreicht wurden.

Die 4x 100m Mixed Staffel stand in diesem Jahr zum ersten Mal auf dem Programm der Deaflympics.

Damit konnte auch das kleine deutsche Schwimmteam teilnehmen.

Startschwimmerin im ersten Lauf der Qualifikation war Linda Neumann. Die mehrfache Medaillengewinnerin der vorigen Deaflympics schlug als Fünfte an. Teamkollege Michael Würges konnte zwei Plätze gut machen und brachte die deutsche Staffel auf den dritten Platz.

Mit Annika Klappenecker, die ihren ersten internationalen Wettkampf bestritt und neue persönliche Bestzeit schwamm, fiel das Team wieder etwas zurück, was Schlussschwimmer Robin Goldberg, der Routinier der Mannschaft, wieder aufholte. Endergebnis des Laufes für Deutschland: Platz 3 mit 4:00.60min hinter den Staffeln aus der Ukraine und Weißrussland.

Der zweite Lauf der Qualifikation brachte die Favoriten aus Russland an den Start. Starke Leistungen auch aus den USA und Großbritannien drängten das deutsche Team weiter zurück, so dass es am Ende Platz 7 wurde, aber ausreichte fürs Finale.

Im Finale veränderte Trainerin Garnet Charwat noch einmal die Reihenfolge der Starter in Würges, Neumann, Klappenecker, Goldberg. Die Staffel verbesserte sich mit 03:59.92min noch einmal um eine knappe Sekunde, konnte aber keine Plätze mehr gut machen. Endergebnis wie in der Vorrunde Platz 7.

Trotzdem gab es Grund zum Jubeln, da gleich zwei Deutsche Rekorde gebrochen wurden. Am Ende doch ein schönes Ergebnis und ein überraschender Erfolg.

Zweiter Wettkampf mit deutscher Beteiligung waren die 800m Freistil.

Für Deutschland startete Linda Neumann, die Tagesform abhängig nicht ihre volle Leistung bringen konnte. Leider reichte es nicht ganz für die Qualifikation, mit Platz 9 im Vorlauf schied sie aus.

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