15.07.2017, Barsinghausen

Ein Handballballspiel in nahezu absoluter Stille? Was für die meisten Aktiven und Fans kaum vorstellbar ist, ist für die Spieler der deutschen Nationalmannschaft der Gehörlosen, die sich seit Donnerstag im Barsinghäuser Sporthotel Fuchsbachtal auf die in der kommenden Woche im türkischen Samsun stattfindenden „Deaflympics“ vorbereiten, völlig normal. „Die Deaflympics sind sozusagen die Olymischen Spiele der Gehörlosen. Jeder unserer Spieler hat mindestens eine Einschränkung im Hörvermögen von mehr als 55 Dezibel, bei einem durchschnittlichen Hörvermögen von 65 Dezibel sind das noch etwa 10 Prozent, die im Ohr ankommen“, sagt Georg Hensen, Vizepräsident beim Deutschen Gehörlosen Sportverband. „Die bei den Spielern natürlich üblichen Hörhilfen werden im Spiel abgelegt, kommuniziert wird über Gebärdensprache, Lippenlesen und verabredete Zeichen. Schiedsrichterpfiffe sind so laut und intensiv, dass sie bei einigen Spielern noch ankommen“, schildert Hensen. Die Spieler der deutschen Auswahl, die bereits vor drei Jahren einmal einen Lehrgang in Barsinghausen absolvierten, spielen zumeist auf Landesliga oder Bezirksliganiveau quer durch die ganze Republik in ihren Stammvereinen, dann allerdings mit Hörhilfe. „Die Abgeschiedenheit hier ist für uns ideal. Wir haben ja nur drei Vorbereitungstage, dann geht es schon in die Türkei “, macht Hensen klar, dass für touristische Ausflüge in die Umgebung des Fuchsbachtals leider keine Zeit ist. „Die meisten Jungs opfern für den Spaß an internationalen Wettbewerben teilnehmen zu können ihren gesamten Jahresurlaub, mehr als ein gemütliches Abschlussgrillen im Hotelgarten wird es nicht geben“, erzählt Dirk Everding, der mit Wolfgang Koch an der Seitenlinie coacht. Auch die Trainer sind natürlich immer auf Gebärdensprache und Blickkontakt angewiesen, das wird während eines Trainingsspiels gegen den hannoverschen Landesligisten HSG Herrenhausen-Stöcken rasch deutlich. Den „Deaf Boys“, so nennt sich das Team in Anlehnung an die „Bad Boys“ der deutschen Nationalmannschaft, sind bei dem Trainingsspiel die vorangegangenen zwei harten Trainingseinheiten natürlich anzumerken. Zur Pause führt der Gegner, der von Sven Reuter, einem ehemaligen Aktiven des TSV Barsinghausen trainiert wird, mit 8 Toren.  Im zweiten Durchgang läuft es dann schon besser für das deutsche Team, auch wenn die Herrenhäuser am Ende mit einem 34:20 Sieg vom Platz gehen. „Das war für den Auftakt genau der richtige Gegner. Die Russen und die Kroaten werden uns mit ihrem körperbetonten Spiel vor ähnliche Aufgaben stellen“, ist Everding vom Ergebnis nicht enttäuscht. „Wir haben ja nur wenige Trainingseinheiten im Jahr gemeinsam. Diese verschworene Truppe ist aber eine Turniermannschaft, das hat sie mit der Bronzemedaille bei der EM im letzten Jahr gezeigt. Bronze haben wir jetzt allerdings die letzten Jahre genug geholt“, deutet Everding an, das die Mannschaft sich viel vorgenommen hat.

Text & Bild: Jörg Zehrfeld, Hannoversche Allgemeine Zeitung

 

förderer

sponsoringpartner

medienpartner