Sportschießen – Gold im Luftgewehr

Melanie Stabel holt ihr zweite Deaflympicsmedaille

Nervenstark, souverän und professionell meistert die 17jährige Schülerin aus Neuweiler ihren Wettkampf. Man kann sagen, dass sie bei ihrem Deaflympics Debüt „kam, sah und siegte“. Ihr Heimtrainer, Landesstrainer Baden-Württemberg, Helmut Hoffmann, machte GL Bundestrainer Manfred Zisselberger auf das junge Talent aufmerksam. Sie kam zu den Deutschen GL Meisterschaften Schießsport im Mai, gewann alle ihre Wettkämpfe und fühlte sich sofort wohl. Die Sparte reagierte schnell, holte sich die Startberechtigung für die Deaflympics beim ICSD, Melanie Stabel ins dabei.

Nachdem sie die erste Medaille für Deutschland im KK 3Stellungswettkampf geholt hatte – ein ausgezeichneter 2. Platz – stand für sie Luftgewehr auf dem Programm, eine Disziplin, die sie in letzter Zeit eher zugunsten von Kleinkaliber vernachlässigt hatte. Mit 412,6 Ringen qualifizierte sie sich für das Finale zusammen mit einer starken Konkurrenz, darunter die Russin Dina Droganova. Die wollte sie im Finale unbedingt schlagen. Das war ihr nicht vergönnt, Droganova machte den Fehler, direkt nach Beendigung des Vorkampfes in der Wettkampfzone ihre Hörhilfe anzulegen. Die Ukrainische Trainerin zusammen mit dem serbischen Trainer legten Protest ein, Droganova wurde aus dem Wettkampf genommen.

Im Finale lag Stabel beim dritten Schuss auf dem 7. Platz, dann legte sie los, von insgesamt 22 Schüssen waren lediglich drei eine Neun, die 19 Zehner katapultierten Stabel an die Spitze und auf den obersten Platz auf dem Podest.

Zurück im Hotel sind wir mit Melanie im Gespräch:

DGS: Unsere erste Frage ist natürlich, wie es sich anfühlt, die erste Goldmedaille für Deutschland geholt zu haben.

Melanie: Ich bin stolz auf mich, es ist einfach nur cool. So richtig kann ich allerdings noch nicht begreifen, fühle mich ein bisschen wie im Traum.

DGS: Wie bist du zum Schießen gekommen?

Melanie: Ganz einfach, ich wollte immer sein, wie mein Bruder und der schießt in der Bundesliga, mein Vater hat auch schon geschossen.

DGS: Hast du schon mit ihm sprechen können?

Melanie (lacht): Ich habe zu Hause angerufen und meine Mutter war so aufgeregt und stolz, dass Gregor gar nicht zu Wort gekommen ist. Bei mir zu Hause haben sie gleich eine Flasche Sekt geköpft und auf meinen Erfolg angestoßen.

DGS: Wie oft trainierst du?

Melanie: Zwei bis dreimal die Woche und dann bei Trainingslehrgängen an zwei bis drei Wochenenden pro Monat.

DGS: Das bedeutet, dass sich dein soziales Leben vor allem im Verein und im Schießsport abspielt, oder?

Melanie: Ja, es gibt ein paar Freundinnen in der Schule, aber sonst findet eigentlich alles im Verein statt.

DGS: Wie sieht es schulisch bei dir aus?

Melanie Ich bin in der Eingangsklasse des beruflichen Gymnasiums für Sozial- und Gesundheitswissenschaft, wir werden alle gerade auf den gleichen Stand gebracht und mein erstes Zeugnis ist echt gut, eine Drei, vier Einsen und den Rest nur Zweien.

DGS: Ich weiß, dass es für dich eine große Anspannung bedeutet hat, hier in einem so hochklassigen Wettkampf zu stehen. Wie ist es dir direkt davor gegangen?

Melanie: Gestern hatte ich einen regelrechten Zusammenbruch, aber ich bin von der Mannschaft total schön aufgefangen worden, so dass es mir am Wettkampfmorgen richtig gut ging.

DGS: Das bringt mich auf die Frage, wie es dir hier geht, du bist sehr jung, weit weg von deiner Familie.

Melanie: Mir geht es hier in der Mannschaft so gut, ich habe bisher noch nicht einmal Heimweh gehabt. Aber ich wusste schon beim ersten Lehrgang, dass ich willkommen bin und habe mich rundum angenommen gefühlt. Es ist anders als bei den Hörenden, da leidet Freundschaft und Kollegialität oft unter dem starken Konkurrenzdruck, das ist hier anders. Irgendwie habe ich hier meine zweite Familie gefunden.

DGS: Wirst du dabeibleiben?

Melanie: Unbedingt, es ist erstens so schön, mit dabei zu sein und die Wettkämpfe sind sehr viel hochklassiger, als ich erwartet habe. Deshalb ist es eine echte Herausforderung für mich, zu gewinnen. Ich war z. B. enttäuscht als Dina Droganova aus dem Wettkampf genommen wurde, denn ich hatte mir für das Finale vorgenommen, sie zu schlagen.

DGS: Ist das hier dein erster internationaler Wettkampf?

Melanie: Ja, ich war noch nie bei einem Wettbewerb im Ausland, höchsten einmal bei einem Training. Und hier bei den Deaflympics, das ist schon etwas ganz Besonderes und von großer Bedeutung für mich.

DGS: Vielen Dank, Melanie und vor allem viel Glück für den letzten Wettkampf für dich.

Melanie: Danke, morgen kommt meine absolute Paradedisziplin, KK liegend und ich will wieder gewinnen.

DGS: Wir drücken alle Daumen!

Text: Anne Köster, Bild: Anton Schneid

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